Ignazio Cassis gehört 2026 zu den wichtigsten politischen Persönlichkeiten der Schweiz. Der Tessiner ist bereits seit 2017 Mitglied des Bundesrates und leitet seitdem das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). In diesem Jahr nimmt seine internationale Bedeutung jedoch noch einmal deutlich zu: Cassis ist Vizepräsident des Bundesrates 2026 und zugleich amtierender Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Damit steht der ehemalige Arzt mitten in einigen der schwierigsten außenpolitischen Fragen Europas. Im Februar 2026 reiste Cassis innerhalb weniger Tage zunächst nach Kyjiw und anschließend nach Moskau. Dort sprach er über mögliche Beiträge der OSZE zu einem künftigen Friedensprozess im Ukraine-Krieg. Gleichzeitig beschäftigt ihn die europäische Zukunft der Schweiz: Das neue Paket Schweiz–EU, häufig als Bilaterale III bezeichnet, befindet sich inzwischen im parlamentarischen Prozess.
Privat lebt Ignazio Cassis wesentlich zurückgezogener. Er ist seit vielen Jahren mit der Ärztin und Radiologin Paola Rodoni Cassis verheiratet. Das Paar hat keine Kinder. Seine medizinische Vergangenheit verbindet die beiden bis heute: Bevor Cassis Berufspolitiker wurde, arbeitete auch er viele Jahre als Arzt und war unter anderem Kantonsarzt des Tessins.
Ignazio Cassis im Steckbrief
| Merkmal | Information |
| Vollständiger Name | Ignazio Cassis |
| Geburtsdatum | 13. April 1961 |
| Alter | 65 Jahre |
| Geburtsort | Sessa, Tessin, Schweiz |
| Partei | FDP.Die Liberalen |
| Beruf | Arzt und Politiker |
| Ehefrau | Paola Rodoni Cassis |
| Kinder | Keine |
| Bundesrat seit | 1. November 2017 |
| Departement | Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) |
| Bundespräsident | 2022 |
| Amt 2026 | Vizepräsident des Bundesrates |
| Weitere Funktion 2026 | Amtierender Vorsitzender der OSZE |
| Frühere Funktion | Nationalrat für den Kanton Tessin |
| Ausbildung | Humanmedizin, Public Health |
Wer ist Ignazio Cassis?
Ignazio Cassis wurde am 13. April 1961 in Sessa im Tessin geboren. Damit stammt er aus der italienischsprachigen Schweiz, deren Vertretung im Bundesrat bei seiner Wahl eine wichtige Rolle spielte. Vor Cassis hatte mit Flavio Cotti zuletzt ein Tessiner dem Bundesrat angehört. Zwischen Cottis Ausscheiden 1999 und Cassis’ Wahl lagen 18 Jahre.
Politik war zunächst allerdings keineswegs sein beruflicher Mittelpunkt. Cassis entschied sich für ein Medizinstudium und schloss 1987 sein Studium der Humanmedizin an der Universität Zürich ab. Später folgten ein Master of Public Health an der Universität Genf, die Promotion an der Universität Lausanne sowie Facharztausbildungen in Innerer Medizin und in Prävention und Gesundheitswesen.
Damit gehört Cassis zu den wenigen Schweizer Spitzenpolitikern, die vor ihrer politischen Karriere längere Zeit im Gesundheitswesen gearbeitet haben.
Ignazio Cassis war vor der Politik Arzt
Zwischen 1988 und 1996 arbeitete Ignazio Cassis zunächst als Arzt. Anschließend wurde er Kantonsarzt des Tessins und blieb in dieser Funktion bis 2008 tätig. Von 2008 bis 2012 war er außerdem Vizepräsident der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH. Darüber hinaus unterrichtete er an verschiedenen Schweizer Hochschulen und war in mehreren Organisationen des Gesundheitswesens aktiv.
Diese berufliche Vergangenheit prägte auch seine ersten Jahre in der nationalen Politik. Gesundheitspolitik gehörte lange zu seinen wichtigsten Themen. Im Nationalrat saß er in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, deren Präsident er schließlich wurde.
Sein Weg unterscheidet sich damit deutlich von vielen Politikern, die bereits unmittelbar nach Studium oder Ausbildung eine klassische Parteikarriere einschlagen.
Wie kam Ignazio Cassis in die Politik?
Seine politische Karriere begann vergleichsweise spät. 2004 wurde Cassis Mitglied der Legislative von Collina d’Oro im Tessin. Drei Jahre später zog er für die FDP in den Nationalrat ein.
Dort stieg er innerhalb seiner Partei schnell auf. Ab 2015 führte er die FDP-Liberale Fraktion in der Bundesversammlung. Gleichzeitig stand er der nationalrätlichen Gesundheitskommission vor.
Als Außenminister Didier Burkhalter 2017 seinen Rücktritt ankündigte, kandidierte Cassis für dessen Sitz im Bundesrat. Am 20. September 2017 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung im zweiten Wahlgang mit 125 Stimmen zum neuen Bundesrat. Damit erhielt die italienischsprachige Schweiz erstmals seit 1999 wieder einen Sitz in der Landesregierung.
Am 1. November 2017 übernahm Cassis das EDA und wurde damit Schweizer Außenminister.
Ignazio Cassis als Außenminister
Seit mittlerweile fast neun Jahren bestimmt Ignazio Cassis die Schweizer Außenpolitik maßgeblich mit. Als Vorsteher des EDA ist er unter anderem für die diplomatischen Beziehungen der Schweiz, die Beziehungen zur Europäischen Union, internationale Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe verantwortlich.
Dabei fiel seine Amtszeit in eine außenpolitisch außergewöhnlich schwierige Phase. Dazu gehören die Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine, die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen großen Machtblöcken, die Konflikte im Nahen Osten und die komplizierten Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU.
Gerade die Verbindung zwischen traditioneller Schweizer Neutralität und enger Zusammenarbeit mit europäischen Partnern sorgt dabei regelmäßig für politische Diskussionen.
Ignazio Cassis war 2022 Bundespräsident
Einen bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erreichte Cassis 2022, als er turnusgemäß Bundespräsident wurde.
Dabei ist wichtig: Der Schweizer Bundespräsident ist nicht mit einem Präsidenten in einem Präsidialsystem vergleichbar. Die sieben Bundesräte bleiben grundsätzlich gleichberechtigt. Der Bundespräsident führt für ein Jahr den Vorsitz und übernimmt zusätzliche repräsentative Aufgaben.
Cassis war erst der fünfte Tessiner in der Geschichte, der Bundespräsident wurde.
Sein Präsidialjahr wurde allerdings vor allem durch den Krieg in der Ukraine geprägt. Besonders bedeutend war die Ukraine Recovery Conference im Juli 2022 in Lugano. Gemeinsam mit der Ukraine und zahlreichen internationalen Partnern setzte die Schweiz dort einen Prozess für den langfristigen Wiederaufbau des Landes in Gang. Aus der Konferenz entstand unter anderem die sogenannte Lugano-Erklärung.
Ignazio Cassis ist 2026 Vizepräsident des Bundesrates
2026 hat Cassis erneut ein besonderes Amt innerhalb der Schweizer Regierung übernommen. Am 10. Dezember 2025 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung zum Vizepräsidenten des Bundesrates für 2026.
Bundespräsident ist in diesem Jahr Guy Parmelin von der SVP. Cassis bleibt gleichzeitig Vorsteher des EDA.
Für den Tessiner bedeutet das eine ungewöhnliche Kombination aus innenpolitischer Repräsentation und intensiver internationaler Diplomatie. Denn zusätzlich zu seinen Aufgaben im Bundesrat trägt er 2026 Verantwortung innerhalb der OSZE.
Ignazio Cassis und die OSZE 2026
Die Schweiz hat 2026 den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa übernommen. Deshalb fungiert Ignazio Cassis als amtierender OSZE-Vorsitzender.
Die Aufgabe ist besonders anspruchsvoll. Die OSZE umfasst 57 Teilnehmerstaaten und gehört zu den wenigen sicherheitspolitischen Foren, in denen westliche Staaten, die Ukraine, Russland, die USA, Kanada sowie Länder Zentralasiens weiterhin vertreten sind.
Cassis betont deshalb vor allem die Rolle der Organisation als Plattform für Dialog und Konfliktlösung.
Anfang Februar 2026 reiste er gemeinsam mit OSZE-Generalsekretär Feridun H. Sinirlioğlu nach Kyjiw. Dort traf er unter anderem den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Außenminister Andrii Sybiha. Wenige Tage später folgte ein Besuch in Moskau, bei dem Cassis mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow sprach. Es war der erste Besuch eines amtierenden OSZE-Vorsitzenden in Russland seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022.
Dabei brachte Cassis mögliche Aufgaben der OSZE bei einem späteren Friedensprozess ins Gespräch. Dazu könnten beispielsweise die Überwachung eines Waffenstillstands, Unterstützung bei Wahlen und ein sicherheitspolitischer Dialog gehören.
Auch im Sommer blieb Cassis international stark eingebunden. Anfang August reiste er unter anderem nach Aserbaidschan und Turkmenistan, um sowohl bilaterale Fragen als auch die Arbeit der OSZE zu besprechen.
Ignazio Cassis und die EU: Bilaterale III werden zur Schlüsselaufgabe
Neben der europäischen Sicherheit gehört das Verhältnis zwischen Schweiz und EU zu den wichtigsten Themen seiner Amtszeit.
Nach dem Ende des institutionellen Rahmenabkommens wurde ein neuer Paketansatz ausgearbeitet. Daraus entstand das Paket „Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU“, oft Bilaterale III genannt.
Die Verhandlungen begannen 2024 und wurden zunächst materiell und anschließend 2025 auch formell abgeschlossen. Am 2. März 2026 wurden die Abkommen unterzeichnet. Am 13. März verabschiedete der Bundesrat seine Botschaft an das Parlament. Dort wird das Paket inzwischen beraten.
Enthalten sind unter anderem Anpassungen bestehender Binnenmarktabkommen sowie neue Vereinbarungen in Bereichen wie Strom, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Dazu kommen institutionelle Regeln und Regelungen zur Teilnahme der Schweiz an europäischen Programmen.
Politisch bleibt das Thema umstritten. Diskutiert werden unter anderem Personenfreizügigkeit, dynamische Rechtsübernahme und die Frage, unter welchen Referendumsregeln das Paket schließlich vors Volk kommen könnte. Noch im August 2026 beschäftigten sich Bundesrat und Parlamentskommissionen intensiv mit diesen Fragen.
Für Cassis dürfte die europäische Frage deshalb zu den wichtigsten politischen Vermächtnissen seiner Zeit als Außenminister gehören.
Ignazio Cassis und Ehefrau Paola Rodoni Cassis
Privat ist Ignazio Cassis mit Paola Rodoni Cassis verheiratet. Seine Ehefrau ist ebenfalls Ärztin. Sie arbeitet als Fachärztin für Radiologie und verfügt selbst über eine lange medizinische Karriere. Aktuell ist sie unter anderem als akkreditierte Ärztin an der Clinica Sant’Anna und der Clinica Ars Medica im Raum Lugano tätig.
Paola Rodoni Cassis steht nur gelegentlich in der Öffentlichkeit. Während des Präsidialjahres 2022 begleitete sie ihren Mann jedoch bei einigen offiziellen Terminen und Staatsbesuchen. So nahm sie beispielsweise gemeinsam mit ihm am Staatsbesuch in Belgien teil.
Das Paar ist bereits seit Jahrzehnten verheiratet und hat keine Kinder. Beide haben einen medizinischen Hintergrund, bevor Cassis vollständig in die Politik wechselte.
Wo lebt Ignazio Cassis?
Cassis ist tief mit dem Tessin verbunden. Er wuchs in Sessa in der Region Malcantone auf und lebte später mit seiner Ehefrau in Collina d’Oro beziehungsweise Montagnola bei Lugano.
Seine Tessiner Herkunft spielt auch politisch eine besondere Rolle. Mit seiner Wahl 2017 kehrte nach 18 Jahren wieder ein Vertreter der italienischsprachigen Schweiz in den Bundesrat zurück. Cassis wurde damit zum achten Bundesrat aus dem Kanton Tessin.
Auch während seiner Zeit in Bern blieb diese Verbindung sichtbar. Dass die Ukraine-Wiederaufbaukonferenz 2022 ausgerechnet in Lugano stattfand, verlieh dem wichtigsten internationalen Ereignis seines Präsidialjahres deshalb zusätzlich eine persönliche Note.
Welche Partei vertritt Ignazio Cassis?
Ignazio Cassis gehört der FDP.Die Liberalen an. Politisch steht die Partei traditionell für wirtschaftlichen Liberalismus, Eigenverantwortung, Wettbewerb sowie eine international vernetzte Schweizer Wirtschaft.
Vor seinem Eintritt in den Bundesrat war Cassis sogar Präsident der FDP-Liberalen Fraktion im Bundesparlament. Seit seiner Wahl in die Landesregierung vertritt er jedoch – wie alle Bundesräte – nicht nur seine Partei, sondern muss Entscheidungen des Gesamtbundesrates nach außen mittragen.
Seine politische Rolle hat sich dadurch deutlich verändert: Aus dem Gesundheitspolitiker und FDP-Fraktionschef wurde einer der zentralen Vertreter der Schweizer Diplomatie.
Was macht Ignazio Cassis 2026?
2026 ist für Cassis eines der arbeitsintensivsten Jahre seiner bisherigen politischen Karriere. Gleichzeitig laufen mehrere große Dossiers zusammen.
Als Außenminister begleitet er die parlamentarische Phase des Schweiz–EU-Pakets. Als OSZE-Vorsitzender versucht er, trotz des Ukraine-Krieges Gesprächskanäle zwischen den Teilnehmerstaaten aufrechtzuerhalten. Und als Vizepräsident des Bundesrates übernimmt er zusätzliche repräsentative Aufgaben innerhalb der Schweiz.
Auch die weltweite Lage beschäftigt sein Departement zunehmend. Bei der Schweizer Botschafterkonferenz vom 17. bis 21. August 2026 stehen deshalb unter anderem die Beziehungen zur EU, die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die Handlungsmöglichkeiten der Schweiz in einer immer stärker fragmentierten Welt im Mittelpunkt. Cassis empfing in diesem Rahmen auch den deutschen Außenminister Johann Wadephul.
Mehr lesen: Das Leben von David Schwimmers Tochter Cleo Buckman nach der Scheidung ihrer Eltern
FAQ zu Ignazio Cassis
Ignazio Cassis wurde am 13. April 1961 geboren und ist 2026 65 Jahre alt.
Ignazio Cassis ist mit Dr. Paola Rodoni Cassis verheiratet. Sie ist Ärztin und Fachärztin für Radiologie.
Nein. Ignazio Cassis und seine Ehefrau Paola Rodoni Cassis haben keine Kinder.
Ignazio Cassis gehört der FDP.Die Liberalen an. Für die FDP vertrat er von 2007 bis 2017 den Kanton Tessin im Nationalrat.
2026 ist Ignazio Cassis nicht Bundespräsident, sondern Vizepräsident des Bundesrates. Bundespräsident 2026 ist Guy Parmelin. Cassis selbst war bereits 2022 Bundespräsident.
Cassis leitet seit dem 1. November 2017 das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und ist damit der Außenminister der Schweiz.
Da die Schweiz 2026 den Vorsitz der OSZE innehat, ist Ignazio Cassis in diesem Jahr amtierender Vorsitzender der OSZE. In dieser Funktion setzt er unter anderem auf Dialog und mögliche Beiträge der Organisation zu einem künftigen Friedensprozess in der Ukraine.
Ja. Cassis studierte Humanmedizin, arbeitete mehrere Jahre als Arzt und war anschließend Kantonsarzt des Tessins. Außerdem besitzt er einen Master in Public Health und Facharzttitel in Innerer Medizin sowie Prävention und Gesundheitswesen.
Fazit: Ignazio Cassis prägt die Schweizer Außenpolitik
Ignazio Cassis hat einen ungewöhnlichen Weg in die Spitze der Schweizer Politik genommen. Statt einer klassischen politischen Laufbahn arbeitete er zunächst jahrelang als Arzt und Kantonsarzt. Erst relativ spät zog er in den Nationalrat ein. Zehn Jahre später folgte bereits die Wahl in den Bundesrat.
Seit 2017 steht er an der Spitze des EDA, 2022 war er Bundespräsident und 2026 ist er erneut Vizepräsident des Bundesrates. Gleichzeitig führt er als amtierender Vorsitzender die OSZE durch eine der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte.
Ob Ukraine-Krieg, Verhältnis zu Russland, europäische Sicherheit oder Bilaterale III: Kaum ein anderes Mitglied des Bundesrates ist derzeit mit so vielen internationalen Schlüsselthemen gleichzeitig beschäftigt. Wie erfolgreich Cassis diese Dossiers abschließen kann, dürfte maßgeblich beeinflussen, wie seine inzwischen lange Amtszeit als Schweizer Außenminister später bewertet wird.
